Es ist Ende März im 4-heaven, die Natur verfärbt sich goldig, die Trauben sind in den Fässern, der Herbst ist eingekehrt. Das Weinjahr 2016/17 verspricht ein guter Jahrgang zu werden. Die Tage sind angenehm warm, die Nächte werden kühler und länger. Es herrscht noch immer akute Wasserknappheit am Kap, überall hängen Plakate, welche die Leute auffordern, Wasser zu sparen. An der N2 weisen Leuchtschriften auf das grosse Problem hin und aktuell hat die 3,5 Mio. Metropole Kapstadt noch für 89 Tage Trinkwasser. Aber niemand scheint sich wirklich um das kostbare Nass zu sorgen, der Wasserverbrauch ist kaum gesunken. Der Regen kommt garantiert im Winter (Juni bis August) – der Glaube stirbt zuletzt.
Im April waren wir immer noch komplett ausgebucht, viele Freunde waren unsere Gäste und wir waren gemeinsam viel unterwegs auf Mountainbike-Touren. So konnten wir endlich unsere Leidenschaft richtig ausleben, denn der Fitness-Stand nach einer langen Saison lässt bei mir noch zu wünschen übrig. Am 11. April feierte ich mit 40 Bekannten meinen runden, 60igsten Geburtstag im Longridge, einem tollen Weingut, ganz in unserer Nähe. Freunde organisierten eine Live-Band und einige Gratulanten überraschten mich am Geburtstag, soeben eingeflogen und unangemeldet, aus der Schweiz. Wieder einmal mehr wurde mir klar, Südafrika ist ja gar nicht so weit weg vom Heimatland.
Der Inhaber hat für uns „geschlossene Gesellschaft“ arrangiert, denn wir haben ihm viele unserer Gäste zum Nachtessen vermittelt und er hat festgestellt, dass die Schweizer sehr trinkfest sind. 3 Bedingungen gab es jedoch für diesen unvergesslichen Abend – die Musik darf nicht zu laut sein, um 24.00 Uhr verlassen alle ruhig das Longridge und bitte keine Schlägereien – ich habe zwar in Südafrika noch nie eine Schlägerei gesehen, manche Feste sollen jedoch bei den hitzköpfigen Buren so ausarten. Natürlich haben wir nach diesem legendären Abend im Longridge auch in Zukunft kein Hausverbot und sind willkommene Gäste.
Es ist Mitte Mai, die Tage werden merklich kürzer, die Nächte sind mit 10°C kühl. Es herrscht jedoch noch immer schönes und warmes Spätherbstwetter mit Tagestemperaturen um 25°C und kaum Wind am Kap. Wir haben wir unsere letzten Gäste verabschiedet und es wird ruhiger im 4-heaven. Es stehen noch kleinere Reparaturen und Verbesserungen im 4-heaven an, welche wir bis zu unseren langen Ferien in der Schweiz noch ausgeführt wollen, damit wir am 1. September wieder startklar sind.
Für uns geht eine lange Saison zu Ende. Seit 1 September 2016 waren wir täglich, 7 Tage die Woche dran, die Saison war lang, intensiv, lehrreich aber auch sehr spannend. Die Zeit verging wie im Fluge. Wir haben viele neue Leute aus der Schweiz, Deutschland, Holland, Oesterreich, Frankreich, USA und Brasilien kennengelernt, ihnen Tipps für unsere wunderschöne Kapregion gegeben, sie mit Brigitta’s „Schwizer-Zmorge“ verwöhnt, ihnen Rundreisen geplant, Nachtessen, Ausflüge usw. gebucht und manchmal auch die Sörgali des Alltages angehört.
Apropos Zmorge – wenn man täglich mit Gästen in Kontakt ist, verliert man wie in den Ferien, ab und zu das Zeitgefühl. Damit ich immer wusste wann Sonntag ist, verwöhnte Brigitta unsere Gäste am Sonntags Brunch mit Rösti, Spiegeleier und selbstgemachtem Zopf. Unsere Mitarbeiter Rosé und Prosper aus Zimbabwe, Margreth aus Südafrika und Emily aus Malawy haben noch nie etwas von Rösti gehört und bekamen natürlich auch am Sonntag ihre Rösti. Kartoffeln sind ein günstiges Nahrungsmittel in Südafrika und deshalb machte Brigitta einen „Rösti-Kurs“. Seitdem gibt es bei vielen Angehörigen unserer Mitarbeiter wöchentlich auch mal Rösti in Südafrika.
Wenn auch zwischendurch mal Heimweh aufkam, entschädigten uns die viele bekannten Gesichter aus unserer Heimat, welche bei uns 1-2 Wochen zu Gast waren. Viele haben den Weg ins 4-heaven gewagt, waren das erste Mal in Südafrika und gingen begeistert nach Hause mit dem Ziel, wiederzukommen. Das 4-heaven und unsere liebenswerten Mitarbeiter Rosé, Prosper, Margreth, Emily sind uns sehr ans Herz gewachsen. Ja, uns macht der Job richtig Spass und wir sind angekommen im südlichen Afrika.
Für die Saison 2017/18 sind wir schon zu 70% ausgebucht und nächste Saison können wir unsere Leidenschaft – die Gäste auf den wunderschönen Mountainbike-Touren zu begleiten, noch mehr geniessen, denn es haben viele unser ein oder zweiwöchiges Programm „Bike-Natur-Kultur-Gourmet“ gebucht.
Wir schreiben heute den 26. Mai – 3,5 Millionen Menschen am Kap haben aktuell noch für knapp 1 Monate Wasser. Die Wasserdämme sind leer, das Kap der guten Hoffnung erlebt die grösste Dürre seit 1903 und immer noch ist kein Regen in Sicht. Der Wasserverbrauch ist jedoch kaum gesunken, keiner spart, chonnt scho guet, keiner glaubt daran, dass anfangs Juli nichts mehr aus dem Wasserhahn tropft – that’s Africa!
Jetzt freuen wir uns auf unsere Zeit in der schönen, alten Heimat, bevor es am 1. September 2017 wieder los geht in den Süden Afrikas.
Liebe Grüsse aus dem 4-heaven in Südafrika
Brigitta und Franz